Warum Du Dich nicht entscheiden kannst.
Liebe Du, vielleicht stehst Du gerade an so einer Weggabelung: bleiben oder gehen, zusagen oder absagen, das Sichere oder das Neue. Du hast Listen geschrieben. Du hast alle gefragt, denen Du vertraust. Du kennst beide Optionen inzwischen besser als Dich selbst. Und trotzdem: keine Entscheidung. Nur dieses Kreisen, das nachts am lautesten ist.
Ich möchte Dir einen Gedanken anbieten, der das Kreisen anders erklärt: Vielleicht kannst Du Dich nicht entscheiden, weil das Nicht-Entscheiden gerade etwas für Dich erledigt. Solange Du in der Schwebe bleibst, musst Du nichts verlieren. Keinen Weg, keine Möglichkeit, kein Bild von Dir. Die Schwebe ist anstrengend — aber sie ist auch ein Versteck.
Unentschlossenheit ist selten ein Mangel an Klarheit. Meistens ist sie ein Schutz vor einem Abschied.
Jede Entscheidung ist ein Abschied
Das lateinische Wort für entscheiden, decidere, heißt wörtlich: abschneiden. Genau das ist der Punkt, an dem viele Frauen hängen bleiben — nicht an der Wahl, sondern am Schnitt. Wer sich für einen Weg entscheidet, muss den anderen sterben lassen. Und wer früh gelernt hat, dass Verluste gefährlich sind — dass man Menschen, Sicherheiten oder Zugehörigkeit verlieren kann, wenn man falsch wählt —, dessen System vermeidet Schnitte um jeden Preis.
Dazu kommt oft eine zweite Schicht: die Frage, wer die Entscheidung eigentlich trifft. Viele Frauen tragen innere Stimmen mit am Tisch — die vorsichtige Mutter, der leistungsorientierte Vater, die mahnende Großmutter. Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst, sind vielleicht schlicht zu viele am Tisch, die mitreden.
Was im Coaching passiert
Wir stellen Deine Optionen auf — als Figuren, mit Abstand. Und dann passiert etwas, das keine Pro-und-Contra-Liste leisten kann: Dein Körper antwortet. Wie atmet es sich neben Weg A? Was machen Deine Schultern neben Weg B? Oft steht die Antwort innerhalb von Minuten im Raum — sie war nie weg, sie war nur übertönt. Danach schauen wir, wer am Entscheidungstisch sitzt und wer dort eigentlich nichts mehr zu sagen hat. Und wir würdigen den Weg, der nicht gelebt wird. Denn erst wenn der Abschied sein darf, wird die Entscheidung frei.
Eine kleine Übung für heute Abend
Wirf eine Münze. Kopf ist Option A, Zahl ist Option B. Und dann achte nicht auf das Ergebnis — sondern auf den halben Herzschlag, bevor die Münze landet. Auf was hast Du gehofft? Da ist Deine Antwort. Die Münze entscheidet nichts. Sie macht nur hörbar, was Du längst weißt.
Wenn Du seit Wochen oder Monaten kreist und ahnst, dass es nicht an Informationen fehlt — schreib mir. Wir nehmen uns 30 Minuten und schauen, welcher Abschied gerade vermieden werden will. Danach ist die Entscheidung oft nicht mehr schwer. Nur noch Deine.