Wenn die Rolle größer ist als ich.
Liebe Du, vielleicht kennst Du das: Du sitzt in einem Meeting, in einem Gespräch, vor einem Bildschirm — und ein Teil von Dir denkt: „Sie haben mich verwechselt. Sie haben jemanden befördert, dem ich nicht entspreche. Irgendwann werden sie es merken." Und dann funktionierst Du weiter. Sehr gut, in der Regel. Aber innen sitzt das Gefühl wie eine kleine Wache.
Das ist nicht Selbstzweifel im klassischen Sinn. Das ist ein altes inneres Maßband, das nicht mehr stimmt. Du hast Dich an der jungen Version von Dir gemessen, lange Jahre. An der, die noch nicht so viel wusste. An der, die noch nicht so viel ausgehalten hatte. Und das innere Maßband ist nicht mitgewachsen, als Du es bist.
Das Impostor-Gefühl ist kein Beweis für Defizit. Es ist ein Beweis dafür, dass Dein inneres Maßband zu klein für die Frau ist, die Du längst geworden bist.
Warum gerade Frauen das so oft fühlen
Wenn Du als Mädchen oft den Satz gehört hast „bleib auf dem Boden", „werde nicht zu groß", „nimm Dich nicht so wichtig" — dann hat Dein System gelernt: Größe ist gefährlich. Wer groß ist, wird gestraft. Sicher ist, wer klein bleibt.
Heute bist Du im Beruf groß geworden. Verantwortung. Team. Sichtbarkeit. Aber der alte Reflex meldet sich täglich: zieh Dich zurück, mach Dich klein, sag „ich hatte halt Glück". Die Welt belohnt das nicht. Sie irritiert sich. Aber Dein System schützt Dich vor einer Strafe, die längst keine mehr ist.
Was im Coaching passiert
Wir schauen mit Figuren auf das System, das Dir gesagt hat, klein zu bleiben. Wer war ängstlich, dass Du zu groß wirst. Wer hat selbst nie groß sein dürfen. Wessen Schatten trägst Du gerade in Deinem inneren Maßband.
Sobald das einen Platz bekommt, darf das Maßband mitwachsen. Du musst nicht plötzlich anders sprechen oder anders auftreten. Aber innen wirst Du leiser ehrlich. „Ja, ich habe das hier verdient. Nicht zufällig. Sondern weil ich es jahrelang gearbeitet habe."
Eine kleine Übung für heute Abend
Setz Dich hin. Schließ die Augen. Und frag Dich leise: „Wer in meiner Familie hätte mir nie gegönnt, dass ich heute hier sitze?"
Vielleicht kommt ein Name. Eine Großmutter. Eine Tante. Eine Mutter. Ein Vater. Schreib auf, was kommt. Du musst niemandem böse sein. Du musst nur sehen, wessen Loyalität Du gerade trägst — und wessen Du sie zurückgeben darfst.
Wenn Deine Rolle größer ist als Dein inneres Maßband — schreib mir. Wir nehmen uns 30 Minuten und schauen, wessen Schatten Dich gerade klein hält. Manchmal reicht das, damit Du das erste Mal Deine wirkliche Größe spürst.