Sichtbar werden, ohne klein zu bleiben.

Liebe Du, viele Frauen können viel. Was sie nicht können, ist, dass es jemand sieht. Sie haben jahrelang gelernt, dass es sicherer ist, gute Arbeit zu liefern und dann zu verschwinden. Sie haben jahrelang gelernt, dass „sich selbst hochhalten" peinlich ist, vielleicht sogar arrogant. Und so leben sie in einer leisen Schere: sie wollen gesehen werden — und ziehen sich gleichzeitig zurück, sobald jemand näher kommt.

Das ist nicht Bescheidenheit. Das ist eine alte Schutzbewegung, die in einer anderen Welt entstanden ist — und in dieser nicht mehr passt.

Sichtbarkeit ist nicht gefährlich. Sie fühlt sich gefährlich an, weil sie früher in Deiner Familie gefährlich war.

Warum gerade Frauen oft den Schritt zurück machen

Wenn Du als Mädchen erlebt hast, dass eine Frau, die etwas wollte, bestraft wurde — von der Familie, von der Schule, vom Umfeld — dann hat Dein System gelernt: Wollen ist riskant. Wer wenig will, bekommt wenig, aber wird auch nicht bestraft. Du hast diesen Deal als Kind gemacht, ohne es zu wissen. Heute kostet er Dich Sichtbarkeit.

Vielleicht hast Du auch eine Mutter erlebt, die ihre Begabung nicht gelebt hat — weil sie nicht durfte. Dann hast Du eine doppelte Botschaft im System: ich darf das nicht. Und: wenn ich es trotzdem tue, betrüge ich sie.

Was im Coaching passiert

Wir schauen, wessen Sichtbarkeit Du nicht überholen darfst. Wer in Deinem System hat nie sichtbar sein dürfen. Wessen Loyalität Du gerade trägst, wenn Du Dich klein hältst. Sehr oft kommt da eine sehr klare Person zutage — Mutter, Großmutter, oft eine ganze Reihe Frauen.

Wenn das einen Platz bekommt, darfst Du etwas sehr Wichtiges sagen: „Ich werde sichtbar — nicht obwohl Du es nicht warst, sondern weil ich Dich in mir trage." Das ist kein Verrat. Das ist Fortsetzung. Und es erlaubt Dir, sichtbar zu sein, ohne dabei jemanden zu verlassen.

Eine kleine Übung für heute Abend

Setz Dich hin. Stell Dir vor, jemand sagt Dir morgen: „Ich habe Dich auf einer Bühne erlebt. Du warst großartig." Spür, was in Deinem Körper passiert. Ist das Freude? Ist das Enge? Ist das Angst?

Und dann frag Dich leise: „Wessen Stimme in mir sagt gerade: das ist zu viel?"

Schreib auf, was kommt. Du musst nichts machen. Es geht nur darum, der Bremse einen Namen zu geben.

Wenn Du sichtbar werden willst und Dich gleichzeitig dabei klein machst — schreib mir. Wir nehmen uns 30 Minuten und schauen, wessen Loyalität Du gerade trägst. Manchmal reicht das, um den ersten Schritt nach vorn zu wagen.