Was der Zyklus zu sagen hat.

Liebe Du, vielleicht ist Dir das auch schon einmal aufgefallen: an manchen Tagen im Monat siehst Du Dein Leben anders. Klarer. Manchmal härter. Manchmal trauriger. Du fragst Dich, ob Du das wirklich bist oder nur Deine Hormone. Und dann verwirfst Du den Gedanken wieder, weil er gerade unpraktisch ist.

Ich glaube, beides stimmt. Es sind Deine Hormone. Und es bist Du. Der Zyklus ist kein Filter, der Deine Wahrheit verzerrt. Er ist ein Verstärker, der manche Schichten lauter macht, die der Alltag leise hält.

Frauen, die viel halten, halten oft am stärksten in der ersten Zyklushälfte. Da geht alles. Da bist Du fokussiert, freundlich, kompetent. Du wunderst Dich, wie alle anderen es so schwer haben.

Und dann kommt die zweite Hälfte. Plötzlich kannst Du jemandem etwas nicht mehr verzeihen, was Du letzte Woche nicht weiter schlimm fandest. Plötzlich ist die Arbeit schwer. Plötzlich willst Du raus. Plötzlich weinst Du beim Werbespot.

Die zweite Zyklushälfte ist nicht Deine Schwäche. Sie ist die einzige Hälfte, in der Du nicht durchhalten kannst — und damit die ehrlichste, die Du hast.

Die zweite Hälfte als Spiegel

Was in der zweiten Hälfte hochkommt, ist meistens nicht neu. Es ist das, was Du in der ersten Hälfte nicht durftest. Die Wut, die zu groß war. Die Trauer, die zu unpraktisch war. Die Erschöpfung, die nicht in den Kalender passte. Die Frage, ob das hier eigentlich Dein Leben ist.

Diese Dinge waren nicht weg. Sie waren nur geparkt. Und einmal im Monat hat Dein Körper genug Hormonentzug, um sie nicht mehr halten zu können. Das ist nicht Pathologie. Das ist Gnade.

Was im Coaching passiert

Wir schauen nicht den Zyklus an, als wäre er das Problem. Wir schauen, was er sichtbar macht. Welche Themen kommen, wenn die erste Hälfte vorbei ist. Welche Sätze, welche Bilder, welche Tränen. Sehr oft sind das die Themen, die in Deinem Leben gehört werden wollen — und die Du in der ersten Hälfte zur Seite schieben kannst, weil Du da stark bist.

Wenn diese Themen einen Platz bekommen, wird die zweite Hälfte nicht plötzlich leicht. Aber sie wird kohärent. Sie ist nicht mehr „die unangenehme Woche", sondern „die Woche, in der ich mit dem rede, was ich sonst überhöre".

Eine kleine Übung für heute Abend

Wenn Du gerade in der zweiten Hälfte bist: Schreib auf, was Dich gerade am meisten ärgert oder traurig macht. Bewerte nicht. Schreib es nur auf. Und frag Dich: „Was, wenn das Thema die ganze Wahrheit ist — und die erste Hälfte nur die Variante, in der ich es ertragen kann?"

Wenn Du gerade in der ersten Hälfte bist: Lies nach, was in der letzten zweiten Hälfte hochkam. Und frag Dich, ob da etwas dabei ist, das eine richtige Antwort haben möchte. Nicht die schnelle. Die richtige.

Wenn Dein Zyklus Dir seit Jahren Botschaften schickt und Du sie nicht zu fassen bekommst — schreib mir. Wir nehmen uns 30 Minuten und schauen, was Dein Körper Dir einmal im Monat sagen will. Manchmal ist da eine sehr klare Antwort, die nur jemanden braucht, der mithört.