Themen · Angst & Sich-klein-machen
Wenn die Angst keinen Namen hat — und doch alles bestimmt.
Über die diffuse Angst, vor der so viele Frauen leise weichen — und wie wir sie greifbar machen.
Die meisten Frauen, die mit Angst zu mir kommen, haben keine Diagnose. Sie haben kein Krankheitsbild, das einen Namen trägt. Sie haben etwas Diffuseres, Anstrengenderes: eine Angst, die sich an unauffällige Momente klammert. Vor einem Telefonat. Vor einem Konflikt. Vor einer Entscheidung, die eigentlich klein ist.
Diese Angst ist selten lebensbedrohlich. Sie ist aber lebensraubend. Sie ist der Grund, warum Frauen Stellen nicht annehmen, die sie hätten haben können. Warum sie in Beziehungen bleiben, die sie eigentlich verlassen wollen. Warum sie sich kleiner machen, leiser werden, sich anpassen. Nicht aus Schwäche. Aus einer alten, leisen Vereinbarung mit sich selbst, dass „sicher" wichtiger ist als „echt".
In meiner Arbeit sehen wir uns diese Vereinbarung an. Wir fragen: Wann hast du sie geschlossen? Mit wem? Und was schützt sie wirklich — und was kostet sie dich?
Vielleicht erkennst du dich:
- Du hast Angst vor Telefonaten — vor Konflikten — vor Räumen voller Menschen. Aber keine Panikattacken im klinischen Sinn.
- Du verschiebst Entscheidungen, die du eigentlich längst getroffen hast, weil ein Schritt nach vorne sich „falsch" anfühlt.
- Du machst dich klein, damit niemand merkt, was du eigentlich kannst — oder eigentlich willst.
- Du hast Angst davor, „zu viel" zu sein. Zu laut. Zu sichtbar. Zu fordernd.
- Du weißt: In dir ist mehr. Du kommst nur gerade nicht ran.
Wie wir miteinander arbeiten
Wir beginnen damit, dein Anliegen zu klären — wo dich die Angst heute genau bremst, nicht nur „grundsätzlich". Dann machen wir sie greifbar: mit Figuren auf einer Fläche oder als Bild im Inneren. Wir stellen die Angst nicht als Feind auf, sondern als Wächterin. Wir fragen: Was schützt sie? Was wäre, wenn sie nicht da wäre? Was würdest du dann sehen — oder spüren — was du jetzt nicht musst?
Oft entdecken wir, dass die Angst etwas hütet, das aus einer alten Loyalität entstanden ist — eine Strategie, mit der du als Kind einmal jemanden geschont oder dich selbst geschützt hast. Wir würdigen das. Und dann schauen wir, ob die Wächterin heute noch denselben Job machen muss — oder ob sie sich auch ausruhen darf. Was bleibt, ist meist ein kleiner Anker, den du mit in den Alltag nimmst: ein Bild, ein Satz, eine Geste, an die du dich erinnerst, wenn die Angst das nächste Mal kommt.
Wichtig: Wenn du in einer akuten Angststörung bist (Panikattacken, schwere Vermeidung, körperliche Symptome), gehört das in die Hand einer Therapeutin. Coaching ergänzt — es ersetzt nicht. Im Vorgespräch besprechen wir ehrlich, was zu dir passt.
Eine Geschichte aus meinen Sitzungen
Aspekte mehrerer Klientinnen sind hier so verwoben, dass niemand wiedererkennbar ist.
J. ist 38, arbeitet in einer Kommunikations-Agentur, war drei Mal kurz vor der Beförderung. Drei Mal hat sie es selbst gestoppt. „Ich bin noch nicht so weit", sagt sie. Sie weiß, das ist Quatsch. Sie ist seit Jahren so weit.
Wir stellen die Angst als Figur auf der Fläche auf. Ich bitte sie, ein inneres Bild dazu zuzulassen. Sie sieht eine kleine Frau. Sehr klein. Vielleicht acht Jahre alt. Mit den Armen vor dem Gesicht.
Ich frage: „Wovor schützt sie dich?"
J. weint. „Davor, dass ich auffalle. Wenn ich auffalle, kommt mein Vater nach Hause und tobt."
Wir bleiben in diesem Bild. Wir sagen der Achtjährigen, dass sie das damals großartig gemacht hat. Dass sie dadurch überlebt hat. Dass sie heute, in J.s Leben, nicht mehr ständig wachen muss. Dass J. erwachsen ist. Dass es heute andere Menschen sind. Dass Auffallen heute auch heißen kann: gesehen werden.
Acht Wochen später hat J. um die Beförderung gebeten — und sie bekommen. „Es war immer noch ein bisschen Angst", schreibt sie. „Aber sie war jetzt klein wie ein Schatten. Nicht mehr wie ein Wächter."
Häufige Fragen zur Angst-Arbeit
Ist das Therapie?
Nein. Wenn deine Angst klinisch ist — Panikattacken, schwere Vermeidung, körperliche Symptome, Suizidgedanken — gehört sie in die Hand einer Therapeutin oder eines Therapeuten. Bei mir arbeiten wir mit den leiseren Formen: diffuse Ängste, Selbstklein-Machen, die Stimme im Hintergrund, die immer „nein" sagt.
Was, wenn ich mich nicht traue, in der Sitzung „mich zu zeigen"?
Das ist normal — und es ist Teil des Themas. Mein Raum ist deshalb leise. Wir gehen nichts schneller, als du gehen kannst. Wenn dir etwas zu viel wird, sagst du es. Wenn dir etwas nichts sagt, sagst du es auch. Es gibt keine richtige Performance bei mir.
Wenn ich eine Aufstellung mache — sehe ich dann „schlimme Bilder"?
Nein. Wir öffnen nicht, was nicht bereit ist, geöffnet zu werden. Du behältst die Steuerung. Die Aufstellung arbeitet mit dem, was bereits in dir ist, und sortiert es. Sie zwingt nichts ans Licht, was im Dunkeln bleiben will.
Wenn du gerade gedacht hast „das könnte ich sein" —
schreib mir. 30 Minuten Vorgespräch, kostenlos, am Telefon oder per Zoom. Du erzählst nur, was du sagen möchtest. Den Rest besprechen wir gemeinsam.
Kostenloses Vorgespräch